Das Objekt der Begierde

Das Problem ist nicht akut.
Der TÜV ist neu, die Reifen sind es auch, die Bremsen sind gemacht, nur die alte Liebe rostet schon.

Es gibt solche Autos, die fand man als kleiner Junge schon schön, die Zeit in der sich der gute Geschmack formte, nur leisten konnte man sie sich damals nicht, aber es kommen die Momente im Leben, wo man strategische Entscheidungen treffen muss.

Wenn man wartet, muss man gleich einen Bus kaufen, wegen der Sitzanzahl und wenn man die Entscheidung noch weiter nach hinten schiebt ist selbst der gute Schwedenstahl verrostet oder der Motor hat zu viel von der Welt gesehen und dann macht es auch keinen Spaß mehr.
Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde, jetzt sollte man mal schauen, ob man die gefällte Entscheidung auch umsetzen kann.

Nach einer kurzen Recherche im Netz stellt man fest, dass die empirische Beobachtungen auch den theoretischen Annahmen entsprechen.
Als sich vor Jahren hier der Automarkt von Trabant und Wartburg trennte, stieg man nicht auf Volvo um, sondern auf VW und Opel. Der Markt ist anders und wird auch so bleiben.
In drei Jahren gibt es hier dann einen prosperierenden Markt für die Dacias von heute und in 5 Jahren, oder vielleicht eher, für AUDI, wenn die dann alle aus der Finanzierung raus sind.

Ich kaufe nicht gerne Autos, ich habe schlichtweg keine Ahnung davon und auch kein Interesse daran. Autos sind eine prinzipielle Entscheidung strategischer Natur, so wie die Frau des Lebens, das überlegt man sich einmal gut und wechselt dann nicht mehr.
Nicht umsonst gehört es zu den drei F´s die man nicht verborgt: Frau, Füller, Fahrzeug.

Wenn man also einen Volvo kaufen möchte, kann man nicht hofnah suchen, sondern muss in die Ferne schweifen, das will der Markt so. Also fahre ich so viele Autobahnkilometer, wie in den letzten drei Jahren zusammen und kehre mit der Beute heim.
Norddeutsches Flachlandauto, kleinstadtgekuppelt, vom Eigenheimbesitzer, alles schön gepflegt wie der Rasen ums Haus.

Jetzt bin ich ganz zufrieden.
Schwarz, kantig, noch Volvo, keine Fordgene, Chrom hier und da und dort, jede Menge Gimmicks – so steht er da.
Es fehlt ein Schiebedach und 25 PS mehr beim Überholen, Dinge, die man seltener braucht.
Unser neuer Lastesel, ein Kindheitstraum, ein Lustobjekt und furchtbar stylisch und praktisch obendrein.
Rein mit der Bienenbeute oder den Entenkäfigen oder dem Ergebnis vom Powershopping auf dem Flohmarkt.

Ich gehe mal davon aus, dass uns die Kinder der Scheidung von diesem Lebensabschnittsgefährten in den nächsten Jahren aktiv näher bringen werden, wenn sie es so schon nicht geschafft haben.volvo kofferraum

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2 thoughts on “Das Objekt der Begierde

  1. Kris

    Der Volvo V70 ab 2001 hat auch keine Ford oder Mazdagene und ist der letzte echte Volvo, weil komplett allein entwickelt.

    1. Mir hat neulich einer erklärt, alte Volvos hätten Getriebe von Peugeot…

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