Laufente vs Industriemastjungentchen

Manchmal schaue ich, was die Konkurrenz macht.
Dann gehe ich zum Bäcker, zum Fleischer oder trinke Rotwein.
Manchmal kaufe ich mir auch Hänchenschenkel oder, wie in diesem Fall, eine junge Ente.
Das arme Tier hat es sicher nicht leicht gehabt, für 7 Euro wohnt man nicht im Hotel. Trotzdem möchte ich die Reste ihres Daseins würdevoll zubereiten.
In dem Zusammenhang hoffe ich, dass die Besitzer und Verwalter von Geflügelfarmen im nächsten Leben als Ente in ihrem eigenen Stall wiedergeboren werden. Ich kann reinen Gewissens sagen: Ich würde auf meinem Hof auch gern Ente sein, am liebsten Elvis…
Soviel dazu.
Ich gehe völlig vorurteilsfrei ans Werk und lasse eine Laufente gegen eine junge Ente antreten.


Alles gleich, Beifuß, viel Apfelwein, ein Bräter, 180 Grad zweieinhalb Stunden und die letzte halbe Stunde immer schön mit Fett beträufeln.


Die Jury bestand aus Mitgliedern einer illustren Geburtstagsgesellschaft, die, mitgehangen mitgefangen, sich nicht wehren können und an meinen Experimenten teilnehmen müssen.
Haut knusprig, Fleischkonsistenz super, Garzustand perfekt, es gibt nichts zu meckern, handwerklich ziemlich in Ordnung.

Wenn da der Punkt Geschmack nicht wäre. Das Fleisch von unserem Industriemastjungentchen schmeckt fade und irgendwie hohl. Ich hatte das auch schon bei Hähnchen festgestellt, aber noch nie in der Deutlichkeit bei Ente.
Dazwischen liegen Welten.
Ich freue mich, denn im Frost liegen noch ganz viele Laufenten.

Geschrieben im Gedenken an die vielen Enten, die nie eine Wiese gesehen haben.

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