Mein neuer Freund

Ich rauche gerade mein Mittagspfeifchen, da kommt so ein Herr auf den Hof spaziert. Er ist Versicherungsvertreter und wir unterhalten uns auch ganz nett.
Dann macht er den Fehler schlechthin:
” …aus der Großstadt ziehen Sie auf so eine Klitsche???”

Pause.

Was hat der Mann gerade eben alles falsch gemacht?

Gehen wir mal durch, in wieviele Fettnäpfchen man mit diesen neun Wörter treten kann und was das alles über den Herren so sagt:
Mir gegenüber – er beleidigt mich aus folgenden Gründen:

“…so eine Klitsche” ist das schönste Dorf in der ganzen Region und ich fühle mich privilegiert hier zu wohnen! – Er zweifelt meinen Geschmack an.
Hält er mich für so einen Idioten?
Wirke ich wie einer, der nicht recht bei Trost ist?
Unterstellt er mir, dass ich nicht weiss, was ich tue?

Nun zu Ihm:

Großstadt ist also gut und Klitsche ist eben nicht so toll… – Aha, Du kommst also nicht aus der Großstadt und hast es offensichtlich auch nie dahin geschafft, denn offensichtlich hast du es nötig, auf der “Klitsche” Versicherungen zu vertickern (übrigens ist es hier ein weit verbreiteter Irrtum zu glauben, dass in der großen Stadt alles besser sei und das der Gipfel der Existenz darin bestünde, in die Stadt zu ziehen. Lustigerweise betrachte ich den Trend, dass eine besonders interessante, weil kreative, Schar junger Leute aus der Stadt auf das Land zieht und reihenweise Höfe kauft).
Wie einfältig muss man selber sein und was für einen beschränkten Horizont muss man haben, um die Großstadt für sooooo toll zu halten?
Das er das Dorf für eine “Klitsche” hält zeugt nicht nur von seinem Mangel an Kultur und Allgemeinbildung, sondern lässt auch auf seinen schlechten Geschmack schliessen, denn das Dorf ist ein ausgesprochen schönes und weitläufiges Dorf und noch dazu sehr harmonisch in die Landschaft eingebettet (…um alles ganz kurz zu fassen).
Wie eingeschränkt muss seine Wahrnehmung der Realität sein, wenn er nicht mitbekommt, dass er sich gerade mit Einem unterhält, der seine wohlverdient Mittagspause im Liegestuhl verbringt und dem es offensichtlich viel besser geht als ihm?
Sieht er nicht, welches Potential in der Substanz des Hofes im Allgemeinen steckt – auch ein Wahrnehmungsproblem?
Wie einfach gestrickt muss man sein, um sich vor dem Kunden so ein Blöße zu geben?

Nachtrag:
Liebe Versicherung!
Bitte schulen Sie ihre Mitarbeiter!
Geschmack kann man zwar nicht schulen, genauso wie man Ignoranz nicht abtrainieren kann, aber man kann den, vielleicht nicht ganz so schlauen, Mitarbeitern nahelegen, die Klappe zur rechten Zeit zu halten.
Sie tuen sich keinen Gefallen, wenn sie am Außendienst sparen!

Einen schönen Tag noch!
Von Dir kaufe ich nie etwas mein neuer Freund!

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